Der Kinderwunsch – Teil 5

Ihr werdet es nicht glauben, aber einige Tage nach diesem erneuten Abgang erfuhr ich, dass das große TV-Projekt dem Ende zuging und kein weiteres in Aussicht war.

Für mich war aber klar: so leicht würde ich mich diesmal nicht aus der Bahn werfen lassen. Ich würde kämpfen und zeigen, dass ich gut genug für diese Firma war. Und man mich genauso in anderen Projekten gebrauchen könnte.

All das tat ich tatsächlich. Und zwar zwischen ständigen Blutabnahmen und Kontrollen beim Frauenarzt. Das war wirklich furchtbar an einer intakten Schwangerschaft. Der Körper braucht seine Zeit damit man sich nicht mehr schwanger fühlt. Der HCG Wert muss nämlich erst mal abfallen und das kann sich ganz schön hinziehen. Mit all seinen Nebenwirkungen. Der Busen ist weiterhin prall, das Bäuchlein geschwollen und das Gefühl eines Babys vorhanden, nur dass da keines mehr ist. Du musst warten bis du wieder restabilisiert bist. Als Mensch. Nicht mehr „Semi-Schwanger“. Ein normaler Mensch. Puh, schwierig.

Ich tigerte mich in das Projekt „Ich kämpfe für meinen Job“ rein, denn sonst hatte ich ja nichts mehr für das es sich zu kämpfen lohnte. Ich schrieb eine neue Formatidee, stellte mich in den letzten Tagen im Unternehmen bei den wichtigsten Leuten vor und zeigte mich selbstbewusst und voller Tatendrang.

Unfassbar, aber diese Methode zeigte schon nach kurzer Zeit ihren Effekt. Meine Formatidee schaffte es in die engere Auswahl und so musste eine Lösung gefunden werden mich länger im Unternehmen zu behalten. Zumindest bis geklärt war ob es realisiert werden würde.

Geil! Ich wurde einer Witzesendung zugeteilt und das war bestimmt das beste was mir passieren konnte. Ich interviewte Comedians und hörte mir den ganzen Tag Witze an. War das schön. So viel Positives um mich herum. So viel gute Laune. So viel Optimismus. Herrlich.

Ich war also wieder auf dem Wege der Besserung. Hatte alles im Griff könnte man meinen. Bis ich eines Tages voller Euphorie von der Arbeit kam und Alex betrübt auf der Couch sitzen saß. Da waren sie wieder, die Bruchstücke unserer Beziehung. Irgendwie hatte ich mich wieder so sehr in das Berufliche hineingesteigert und den Abgang mit mir selbst ausgemacht, dass ich ganz vergessen hatte mit Alex darüber zu reden. Ich hatte ihn wohl kein einziges Mal gefragt wie es ihm damit ging. Was er fühlte. Das Ergebnis war, dass wir kaum noch kommunizierten und wieder mal so neben uns her lebten.

Das rief nach einem neuerlichen Sanierungsplan.

Es war Samstag, 11:00 als wir spontan die Reise auf die Malediven buchten. Hatten wir genug Geld dafür? Natürlich nicht. Aber das war mir wurscht und das war es uns Wert. Wir mussten raus aus dem Alltag, der zwischen uns eher trist geworden war.

Im Paradies heilten unsere Seelen ab. Wir lachten gemeinsam, verbrachten Stunden im wohlig warmen Wasser, schwammen mit Babyhaien und tranken aus Kokosnüssen.

Zurück in Wien, war ich, ihr werdet es nicht glauben, schwanger!

Ich meldete mich bei einer renommierten Schilddrüsenspezialistin an, suchte mir einen neuen Frauenarzt und wurde so mit ein paar wichtigen Dingen ausgestattet. Die Hormone wurden erhöht wobei ich auf ein anderes Schilddrüsenpräparat wechselte, die Schilddrüsenärztin empfahl mir Progesteron (Gelbkörper) und die neue Frauenärztin Thromboise. Ich fühlte mich gestärkt mit diesem professionellen Team um mich herum.

Bis zur 7SSW war alles gut, bis ich mit starken Bauchschmerzen und einer leichten Blutung ins Krankenhaus fuhr. Die Szenarien in meinem Kopf könnt ihr euch bestimmt vorstellen.

Doch dort angekommen wurden all meine Ängste genommen. Denn im Ultraschall erkannte man einen kleinen süssen Zwerg. Mit Herzschlag und allem was dazugehörte.

Da war er, mein kleiner süßer Schatz, mein Zwuck!

12 Gedanken zu “Der Kinderwunsch – Teil 5

  1. Soo ein wundervoller Beitrag! <3 Ich sitze grade da und muss heulen, weil ich mir nichts sehnlicher Wünsche, als ein weiteres Kind bekommen zu können, nach meinen 2 Fehlgeburten. Ich hoffe so sehr, dass wir dieses Glück nochmal erleben dürfen, wie ihr! Ich finde soo toll, dass du mit diesem Thema offen umgehst und es in an die Öffentlichkeit trägst! Es ist so so wichtig und spendet echt Mut und Hoffnung! Ich versuche es auch im privaten Rahmen, damit offen umzugehen, stoße jedoch oft auf Unverständnis… Aber ich gebe nicht auf und werde es weiter tun❣️

    • Liebe Daniela, ich kann dir nur aus eigener Erfahrung raten, nie die Hoffnung zu verlieren. Auch ich hatte zwei Fehlgeburten, aber mein Vertrauen in meinen Körper habe ich nie aufgegeben. Ich versuchte lediglich meine Gedanken zu sortieren und mich nicht mehr aufs Schwangerwerden zu versteifen. Ich weiß, leichter gesagt als getan 🙄… Aber… Siehe da, ein halbes Jahr nach meiner letzten Fehlgeburt war ich schwanger. Und was soll ich sagen, ist es vielleicht Schicksal? 🙈 Jetzt liegen gerade zwei süße, kleine Mädels neben mir 😍😍😍…. Zwei Fehlgeburten…. Jetzt Zwillinge 💞💕💞… Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und schicke dir ganz viel Liebe und Vertrauen 😊😊😍😍 Liebe Grüße Tina und die twins Larissa & Gloria 👯‍♀️

      • Vielen Dank, Tina, für deine Nachricht! Es freut mich wahnsinnig, dass ihr 2 Mädls in euren Armen halten könnt! 🥰
        Ja, du hast vollkommen recht- man darf sich nicht allzu sehr auf eine neue Schwangerschaft versteifen, was ich wirklich gut schaffe! Wir haben jetzt bewusst 3 Monate nach der 2. FG gewartet, damit meine/unsre Seele auch wieder etwas heilen können (nach der 1. FG haben wir ein Jahr gewartet). Zum Glück haben wir schon eine 3-jährige Tochter an der Hand, die uns extrem viel Trost spendet! 😍 Jetzt heißts Ruhe bewahren und abwarten. Wir hoffen noch immer auf ein happy-end zu viert! 🙏🏻

      • Ja das stimmt. Ich hatte auch zwei Fehlgeburten und hatte damals auch das Gefühl, ich wäre die einzige Frau auf der Welt, die das normalste der Welt nicht kann.
        Aber jetzt weiß ich, dass ich nicht allein bin und rede auch mit anderen offen darüber. 🙂

  2. Vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast 🍀💐 ich kann nur erahnen, wie du dich gefühlt haben musst und ziehe den Hut vor dir! So schön, dass ihr nur aufgegeben habt ❤😍😘

  3. Vielen lieben Dank für deinen Bericht! Du gibst viel Mut, Lebensfreude.

    Leider spricht wirklich nie jemand über Fehlgeburten. Ich gehe damit sehr offen um, da es mir gut tut darüber zu sprechen.

    Nach meiner Fehlgeburt hat mein Partner ebenfalls spontan eine Reise auf die Malediven gebucht.

    Ich war sehr unsicher es erneut zu versuchen und wir haben uns die 3 Monate danach Zeit gelassen, dann klappt es recht schnell und nun haben wir am 11.3. den 2. Geburtstag gefeiert.

    Jedoch habe ich mich wirklich verrückt gemacht in der zweiten Schwangerschaft, ich war so ängstlich, ebenfalls unzählige Tests am Tag über Wochen gemacht. Zusätzlich habe ich mir anfangs noch einen Fetal Doppler geholt, es tat mir einfach gut aber ich wurde auch mega nervös, wenn wir den Herzschlag nicht gleich gefunden haben.

    An die erste Schwangerschaft denke ich sehr oft.

    Ich wünsche Euch alles Gute.
    LG Susann

  4. Wunderschön geschrieben und ich freue mich so über euer Happy end 💕 ich hoffe das es auch bei uns irgendwann eintritt ❤️

  5. Erstmal danke, dass du hier von deinem Leben erzählt hast. Und dass ihr es trotz der vielen Fehlgeburten die Hoffnung nicht aufgegeben habt ist bewundernswert.
    Ich weiß noch wie es war als ich meine erste Fehlgeburt 30.12.2016 hatte. Es war meine erste Schwangerschaft und mein Mann und ich haben uns riesig auf das Baby gefreut. Wir haben die postive Nachricht kurz vor Weihnachten bekommen. Wir konnten es dann auch an Weihnachten nicht für uns behalten und wollten diese Glück mit allen teilen, damals war ich erst in der 7. Woche. Kommentare meiner Schwiegermutter und auch vom Onkel meines Mannes waren „das ist ja noch früh, da kann ja noch einiges passieren“. Ein schlechtes Omen und eine Woche später hatte ich dann tatsächlich Unterleibsschmerzen und Blutungen. Wir sind damals bei meinem Cousin in Ulm gewesen und sind direkt in die Frauenklinik gefahren. Von der ich jedem abrate, der mir einem Notfall kommt!! Wir haben SIEBEN Stunden im Wartezimmer gewartet, die Blutungen wurden immer stärker. Ich wusste dass ich es verloren hatte, aber man hat doch noch etwas Hoffnung. Nach sieben Stunden ist meinem Mann der Kragen geplatzt als die Notaufnahme zu machte und wir in den Kreißsaal nach oben geschickt wurden. Er telefonierte umher und so sind wir in die Donauklinik gefahren. Dort hatte man kein Verständnis für die lange Wartezeit und ich wurde direkt behandelt. Die Ärztin fragte immer wieder nach ob ich sicher sei dass ich schwanger bin. Ich bejahte es jedes Mal und sagte ihr auch das man bei meinem Frauenarzt die Fruchthöhle und eine Punkt gesehen hat. Es tat ihr unendlich leid, als sie mir mitteilte das da nichts mehr sei. Für mich brach in diesem Moment eine Welt zusammen. Ich hatte mein Baby in der 7. Woche verloren. Mir wurde gesagt dass das häufig vorkommt trotzdem fühlte ich mich schrecklich. Ich suchte überall die Schuld für den Abgang. War es die Endometriose, die lange Fahrt, das frisch gestrichene Gäste zimmer bei den Schwiegereltern, die Worte meine Schwiegermutter, der ganze Stress zu Weihnachten oder lag es einfach an mir . Ich zog mich für Wochen zurück und wollte mit niemandem reden. Erst später wurde mir bewusst dass es auch für meinen Mann sehr schwer war. Danach kriselte es in der Beziehung und nach einem Gespräch wollten wir es noch einmal versuchen. Und wie durch ein Wunder hat es erneut geklappt. Heute hab ich einen 10 Monate alten Sohn, der unser Sonnenschein ist. Trotzdem werde ich den Verlust meines erstes Babys nie vergessen.

    Ich wünsche dir alles Gute für die Schwangerschaft😊

    Liebe Grüße
    Elif

  6. Gänsehaut pur aber so ist es oft, sobald man sich entspannt und nicht dran denkt passiert es einfach und wird gut ! Aber nicht immer funktioniert es gelassen zu bleiben!! 😘

    Vielen, vielen lieben Dank das du mit uns sowas wunderschönes teilst! Bitte mehr davon !

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