DIE ZEIT NACH DER GEBURT TEIL 2

Ich liege mit meiner Zwuckine unter der Achsel im Spitalsbett und kaue meine Nägel der rechten Hand.

„Du musst es jetzt noch mal versuchen Iulia. Komm!“, sag ich mir und versuche mir etwas Mut zu machen.

„Komm sei nicht so eine Müch“

Ich lege Zwuckine in ihr Beistellbettchen und schreite in meinem eigenen Tempo auf die Toilette wobei ich mich regelmäßig auf dem Weg irgendwo abstützen muss damit es mich nicht ham draht.

Endlich angekommen setze ich mich vorsichtig auf die Kloschüssel und versuche mich, wie immer, zu entspannen. Ich drehe wieder den Wasserhahn auf, denke an einen Wasserfall und gebe mein Bestes.

Nichts. Kein einziger Tropfen. Ich blicke frustriert auf den Fließenboden und sage laut zu mir selbst: Das war dann wohl eher nix.

Auf dem Rückweg zu meinem Mädchen und in unser Bett der Glückseligkeit höre ich plötzlich wie es an der Türe klopft.

„Herein“ sage ich.

Die Hebamme blickt mich hoffnungsvoll an und ich weiss schon, dass ich uns beide jetzt enttäuschen muss.

„Leider nix“, sage ich.

Ihr Blick verändert sich nun und ich erkenne einen Hauch von Mitleid.

„Dann müssen wir jetzt leider noch mal einen Einmalkatheter setzen. Ok?“

Was soll ich denn sagen? Dass es überhaupt nicht ok ist, weil die Baustelle da unten nicht berührt werden darf und schon gar nicht auf diese Art und Weise?

„Müssen wir wohl“, summe ich.

Beim Einführen blicke ich Zwuckine intensiv an um mich auf das wirklich Wichtige zu konzentrieren und den Schmerz zu blockieren.

Minutenlanges Schweigen.

„Also es sieht so aus, Frau H. Ich zieh Ihnen jetzt den Einmalkatheter und ich muss Ihnen leider einen Dauerkatheter einsetzen. Ja ich weiss, es tut mir auch leid, aber ihre Blase ist so voll, das kann gefährlich werden, wenn wir da nicht agieren.“

Die nächsten Minuten halte ich regelmäßig den Atem an. Tränen steigen mir ins Gesicht.

„Bei der Geburt weinst du nicht und jetzt schon?“ frage ich mich selbst etwas verblüfft.

„Bitte das ist so unangenehm. Ich glaub so kann ich nicht bleiben“ erkläre ich ihr mit einer verzweifelten Stimme.

„Ich weiss, es ist gerade sehr ungut, aber sie werden sich bestimmt daran gewöhnen. Im schlimmsten Fall klingeln Sie.“

Sie verabschiedet sich und lässt mich mit meinem Sackerl liegen.

Irgendwie trau ich mich nicht das Sackerl anzuschauen. Ich denke der Anblick schmerzt.

Ich gebe Zwuckine eine Million Bussis, versuche mich anders hinzulegen, in der Hoffnung diesen Schmerz loszuwerden. Eine halbe Stunde lang überlege ich zu klingeln, lass es aber dann wieder, weil ich kein Loser sein will.

Als ich neuerlich zu weinen beginne, nehme ich meinen ganzen Mut zusammen und klingel.

Eine Krankenschwester bringt mir Voltaren und ich verspüre innerhalb kürzester Zeit Erleichterung.

Zwuckine und ich schlafen eng umschlungen, wohlig warm ein.

Morgen, morgen ist alles besser das weiss ich.

Ich und ein Dauerkatheter, dass ich nicht lache.

 

 

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