Der Kinderwunsch – Teil 2

Was war das für eine unbeschwerte magische Zeit. Ich teilte mein Glück sofort mit meinem gesamten Freundeskreis, nur meiner Familie erzählte ich noch nichts, da ich wusste, dass meine Eltern (die Goldies) vor Freude komplett ausflippen würden und ich noch etwas mit dieser riesen Überraschung warten wollte.

Beim ersten Arztbesuch war ich total aufgeregt, aber im positiven Sinne. Ich freute mich einfach so das Baby zu sehen.

Der Besuch verlief dann doch anders als gedacht, denn abgesehen von einer Fruchthöhle sah man damals nichts. Mein Arzt versicherte mir aber, dass das in dieser Schwangerschaftswoche durchaus vorkommen würde.

Nun gut, ich sagte mir, er ist der Profi, er weiß Bescheid.

Der nächste Termin 2 Wochen später brachte aber dann Gewissheit. Und wir platzten vor Freude als wir den Fötus mit Herzschlag erblickten. Da war es, mein Baby.

Nun konnte mich nichts mehr halten. Ich begann mir weitere Hosen zu kaufen, erzählte meiner Nachbarin davon und auch meine Eltern wurden eingeweiht.

Ich sag euch, mein Papa hat geweint vor Freude. Nichts machte ihn glücklicher als diese Nachricht.

Nur im Büro war ich noch still, denn mir war bewusst, dass ich bald nun nicht mehr zu den Lieblingsmitarbeitern gehören würde nach der Verkündung.

Das war auch wirklich das einzige was mir Stress und Druck machte.

Ich dachte darüber nach, ob ich nach der Schwangerschaft wieder einen Job finden würde.

Würde mich im TV Business noch jemand mit Baby wollen? Die Antwort konnte ich mir selbst geben..

10 Tage später, ca. in der 10 Schwangerschaftswoche bekam ich plötzlich schlimme Bauchschmerzen im Büro. Sie waren so heftig, dass ich mich kaum auf dem Stuhl halten konnte.

Ich lief auf die Toilette und sah etwas Blut. Ich rief Alex an und sagte ihm er solle mich bitte gleich abholen kommen, irgendwas stimmte hier nicht.

Eine Arbeitskollegin musste ich einweihen und bat sie meinem Vorgesetzten zu sagen mir gehe es nicht gut und ich würde mich nach dem Spitalbesuch melden.

Das Warten im Krankenhaus verbrachte ich zum größten Teil auf der Toilette, die Krämpfe wurden von Minute zu Minute schlimmer.

Endlich wurde ich aufgerufen und der Ultraschall, der mir endlos lange vorkam, ergab das womit ich nicht gerechnet hatte zuvor. Niemals und zu keinem Zeitpunkt.

Das Herz hatte aufgehört zu schlagen.

Ich wurde nach Hause geschickt mit den Worten: „schauen Sie mal ob es von alleine abgeht, wenn nicht kommen Sie wieder zur Curretage“.

In meinem Kopf 100 Fragezeichen und viel mehr noch unendliche Traurigkeit.

Was war passiert? War das nun meine Schuld? Wenn ja, was hatte ich falsch gemacht?

Alex und ich fuhren nach Hause und die nächsten drei Tage passierte das wovon die Ärztin gesprochen hatte.

In dieser Zeit stand der körperliche Schmerz so im Mittelpunkt, dass ich mich nicht so sehr auf den seelischen konzentrieren konnte.

Denn in wehenartigen Krämpfen drückte ich alles raus was sich bis dahin schon gebildet hatte. Hinzu kamen Schweißausbrüche und andere Nebenwirkungen, die ich euch erspare.

Es tat weh. Sehr sogar. Ich war traurig, sehr traurig.

Gleichzeitig machte ich mir solche Sorgen. Wie sollte ich das meinen Eltern erklären? Sie wären am Boden zerstört. Ich musste regelmäßig zur Kontrolle, um nachzusehen ob mein HCG Wert sich wieder stabilisiert hatte. Ich war also super beschäftigt mit meinem Körper, den Ärzten und allen anderen, dass ich die Trauer in mich hineinfraß.

Doch dann kurze Zeit später traf sie mich dann doch wie ein fester Schlag ins Gesicht. Ich konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Essen wollte ich auch nichts und ausser Haus gehen schon gar nicht.

Ich wollte niemanden sehen, mit niemandem reden.

Doch die Welt drehte sich natürlich weiter und ich musste natürlich wieder in die Arbeit.

Dort präsentierte ich mich wieder als die „alte“ Iulia, fleissig, positiv und gesprächig.

Und langsam öffnete ich mich wieder etwas mehr und begann mit den Menschen um mich herum darüber zu reden was passiert war. Meinen Eltern, meinen Freunden, meinen Bekannten.

Ich sprach es mir von der Seele und es tat sowas von gut. Außerdem wäre ich damals froh gewesen jemanden gekannt zu haben, dem sowas auch passiert ist Aber da ja keiner darüber redet (was ich durchaus nachvollziehen kann) fühlt man sich damit alleine auf der Welt.

Ich hatte wieder Freude am Leben und sagte mir: Hey, das kann passieren. Das nächste Mal werde ich die Schilddrüse noch engmaschiger kontrollieren und mich in der Anfangszeit mehr entspannen.

Ich hatte meine Lebensfreude wieder. Bis zu dem Tag – ca. 2 Monate nach dem Abort, als ich meine Kündigung in der Hand hielt.

Nein, es war nichts Persönliches, die ganze Abteilung verlor ihren Job, da ein Format eingestellt wurde.

Der nächste Tiefpunkt für mich. Ich liebte doch eigentlich meinen Job. Der erste Gedanke.

Der zweite Gedanke: Wann würde ich dann wieder eine Schwangerschaft planen können? Im arbeitslosen Zustand? Das war’s wohl erstmal mit dem Kinderwunsch.

Für mich war klar: keine Schwangerschaft ohne Job.

Und kein Job, der in Aussicht war……

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