Der Kinderwunsch – Teil 3

Da stand ich also nun.

Einen Job und ein Baby weniger.

Komische Situation für mich, die direkt nach dem Studium in dieser Firma zu arbeiten begann, ihr ganzes Herzblut in diesen Job steckte und wohl von alleine niemals von dort weggegangen wäre.

Gut, nun also alles auf Neustart. Und das kurz vor Weihnachten…

Ich versuchte mir einen Plan zurecht zu legen. Erstmal einen neuen Job finden, dann ein Jahr dort arbeiten und danach weiter über den Kinderwunsch nachdenken.

Es war um den 22.12.2014 als ich nach einigen Tagen voller Selbstmitleid begann meine ersten Bewerbungen zu schreiben. Jeden Tag mindestens 4 war mein Plan.

Der Plan war ja eigentlich gut, blöd nur war, dass einfach niemand antwortete, weil doch alle im längst verdienten Weihnachtsurlaub waren und fröhlich und harmonisch mit ihren Liebsten die Feiertage verbrachten. Nur ich, ich war der einzige Depp, der die Hoffnung nicht aufgab, dass doch irgendjemand mir bald antworten würde.

Was natürlich nicht passierte.

Mitte Jänner und ungefähr 15 Bewerbungen später entdeckte ich dann eine Jobanzeige, die mir nicht mehr aus dem Kopf ging. Witzigerweise wurde mir genau diese zeitgleich von Redakteurskollegen weitergeleitet mit den Worten: Iulia, dieser Job passt doch wie die Faust auf’s Auge zu dir.

Und so war es tatsächlich.

Voraussetzungen und Skillz:

  • Hohe Reisebereitschaft (oh ja die hatte ich jetzt, nichts wie weg von hier und allem was mich zu sehr an den schmerzhaften Verlust der letzten Monate erinnerte)
  • Aufgeschlossen und kommunikativ (nichts leichter als das!)
  • Erfahrung im Bereich Casting und Redaktion (das einzige was ich bisher gearbeitet hatte)

Eine Woche lang nach der abgeschickten Bewerbung konnte ich vor Aufregung nicht schlafen. Ich wollte diesen Job um jeden Preis, ich konnte mir nix Coolers vorstellen. Die Gedanken an ein Baby waren gaaaanz weit nach hinten geschoben, jetzt war es wohl Zeit Karriere zu machen. Oder so.

Danach ging alles so schnell. Einladung zum Vorstellungsgespräch. Bei einem der größten Privatsender in Österreich. Für eine der größten TV-Shows weltweit. Und der Posten: viel wichtiger als alles was ich jemals zuvor gemacht hatte.

Lange Rede kurzer Sinn. Ich bekam den Job und wusste nun: dass alles was die letzten Monate passiert ist wohl so passieren sollte. Denn ich wäre sonst Ewigkeiten in meiner alten Firma verrottet und hätte wohl niemals die Chance erhalten, um die Welt zu reisen. Und eigentlich war es doch super das noch zu tun solange man kinderlos ist. Machte dann doch irgendwie alles Sinn, zumindest in meinen Augen.

Die nächsten Monate flog ich mit einer riesigen Fernsehcrew durch Mailand, Berlin, Hong Kong. Ich arbeitete Tag und Nacht, aber es störte mich null. Es machte mir Spaß, ich war von lauter Profis umgeben und war wie auf einem Höhenflug. Vor allem in Hong Kong machten wir nach einem 12 Stunden Tag dann noch nachts die Clubs unsicher und tanzten auf den Tischen. Alkohol war dabei nicht so wichtig, wir waren alle ohnehin in einem Rauschmodus auf Grund der außergewöhnlichen Lebenssituation.

Jetzt fragt sich wohl der ein oder andere zurecht: Und wie war das mit Alex? Die Distanz, das nicht sehen? Ich muss sagen ich hab echt einen coolen Mann. Er hat mich machen lassen. Weil er wusste ich hatte es gebraucht. Für’s Selbstwertgefühl, für’s Ego. Um mich wieder gut zu fühlen. Geschätzt zu fühlen, wichtig zu fühlen.

Ob es dort nicht mal zu brenzligen Situationen mit Kollegen gekommen ist? Avancen? Flirtereien?

Sagen wir’s mal so: fast jeder tat dort so als ob er Single wäre, und so kam es, dass ich nicht nur einmal gefragt wurde ob ich nicht mit auf’s Zimmer kommen wollen würde. Doch das tat ich nicht. Stattdessen erzählte ich Alex davon, dessen Begeisterung sich natürlich in Grenzen hielt, der mir aber vertraute und sagte: Na wundert’s dich?

Mich wunderte es schon ein wenig. Denn ich hatte seit dem Abgang das Gefühl gehabt meine Fraulichkeit verloren zu haben. Fühlte mich wie ein unfruchtbares Wesen. Sexy oder Sex war das letzte wonach mir war.

Nach den ganzen Auslandsreisen kam ich zurück nach Hause und der ganze Flow war abrupt wieder vorüber. Ich freute mich zwar auf Alex aber konnte mit diesem Alltag irgendwie nix mehr anfangen.

Das war echt Schwerstarbeit für unsere Beziehung.

Es ging nicht um Streitereien, denn wir sind beide absolute Harmoniesüchtler. Es ging darum sich nicht komplett auseinanderzuleben, da jeder irgendwie in seinem Universum war. Ich noch viel mehr als er.

Ich war an einem Punkt angekommen, an dem ich wusste: Wenn wir jetzt nicht alles für diese Beziehung tun, würde sie zerbrechen.

Und so taten wir was getan werden muss und ich hielt kurze Zeit später einen positiven Schwangerschaftstest in meinen Händen. Da war es wieder. Das schönste Gefühl auf der Welt. Und diesmal würde alles anders kommen, das wusste ich.

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