ZWUCKINES GEBURTSBERICHT – TEIL 2

Na toll, dachte ich, das kann ja eine witzige Nacht werden..

Die Hebamme begleitet uns in mein Zimmer und verabschiedet sich. Alex legt sich zu mir ins Bett und engumschlugen äußern wir beide wieder mal denselben Gedanken: „Was wohl der Zwuck gerade macht? Ich vermisse ihn!“ Wir lachen beide, bis zur nächsten Wehe, die mich wieder zusammenzucken lässt.

Prompt steht Alex auf, zieht mich am Arm und sagt:“ Baby aufstehen, wir müssen für die nächste Wehe vorbereitet sein! Schön veratmen, wie es die Hebamme gezeigt hat!“

Sein Wille sei mir Befehl! Ich stehe also auf, stelle mich breitbeinig vor das Bett, gehe etwas in die Knie, halte mich am Bettgestell an und warte bis es los geht. 2 Minuten später atme ich tief durch die Nase ein und dann ganz lange durch den Mund aus. So lange, bis die Wehe wieder verschwunden ist.

Es funktioniert! Wie mega. So schaff ich das, ganz bestimmt.

Ich bleib so also gleich stehen, denn die Wehen wollen irgendwie nicht mehr all zulange pausieren.

Währenddessen ich hier also atme und dazwischen kommentiere:“ jaaa, genau. Das geht. Das wird. Locker. Naja, vielleicht nicht locker, aber es wird!“, wandert mein Blick zu Alex, der wohl der spannenden Konversation mit mir selbst nicht mehr standhielt und einfach weggepennt ist.

Für einen Bruchteil einer Sekunde überlege ich ihn zu wecken, ich will in diesem ungewissen Zustand nicht alleine sein. Doch dann blicke ich auf die Uhr und mir wird klar, dass ich das nicht tun kann. Wir sind beide bereits seit 22 Stunden wach und einer von uns beiden muss fit sein. Das wird dann wohl er sein.

Es ist 07:00 Uhr: Alex hat 30 Minuten geschlafen, ich 0.

Die nächste Kontrolle steht an. Zunächst das CTG und dann die Kontrolle des Muttermundes.

CTG wunderschön, Muttermund tote Hose.

Er hat sich nicht weiter geöffnet und ist auch nicht besonders weich.

Mir wird langsam etwas schlecht. Einerseits hab ich Hunger und bin super übermüdet, andererseits dämmert mir langsam, dass meine Wehen scheinbar kaum Effekt auf meinen Muttermund haben.

Ich werde auf den Gang geschickt um ein wenig spazieren zu gehen.

Da gehen wir also, oder besser gesagt torkeln, denn meine Beine sind schon ziemlich müde. Alle paar Minuten bleibe ich stehen, nehme Alex Hände, begebe mich in die richtige Position und veratme die Wehen. Einerseits strange, weil hier auf der Station ständig jemand an mir vorbeikommt und es mir irgendwie ein wenig unangenehm ist, mich so blicken zu lassen. Andererseits nehme ich die Gestalten nur Silhouetten- artig wahr, da der Schmerz mich dazu zwingt, mich auf ihn zu konzentrieren.

Bis 12:00 zu Mittag waren wir schon in der Kantine snacken, kennen den Gang des Spitals in und auswendig und haben meine und Alex Eltern auf dem Laufenden gehalten.

Nämlich, darüber, dass wir einfach keine Ahnung haben, was als nächstes passiert und wann es los geht.

In mir drinnen hab ich aber natürlich schon so eine wage Vorahnung was passieren wird, wenn es jetzt nicht bald von alleine so richtig los geht.

Die nächste CTG und Muttermund- Kontrolle.

Conclusio: Zwuckine geht es großartig, bei mir tut sich nichts. Der Muttermund hat sich nur einen Zentimeter geöffnet insgesamt. So kann das nicht weiter gehen, das ist mir klar.

Hebammen-Schichtwechsel, kurze Rücksprache mit meiner Ärztin.

PDA.

Sie wird den Muttermund weich machen und öffnen. Außerdem den Schmerz nehmen.

Geil, da bin ich dann wohl dabei. So richtig bleibt mir ja auch nichts anderes übrig.

Obwohl ich das eigentlich grundsätzlich so nicht wollte. Weil ich weiß was es bedeuten kann. Nicht muss, aber kann. Und das will ich eigentlich nicht. Aber ich hab das Gefühl um’s wollen oder nicht wollen, geht es jetzt schon lange nicht mehr. Ich befinde mich in einem Film, spiele zwar irgndwie die Hauptrolle, nur scheinbar nicht gut genug. Da braucht man eben ein wenig Unterstützung von außen.

Nun gut, ich werde also gestochen, was kein Drama ist, chillig ist es aber natürlich auch nicht.

Es breitet sich Kühle in meinem Körper aus. Ahhh und dann spür ich mein rechtes Bein nicht mehr, das linke nur so halb. Dauert wohl etwas bis beide Beine taub sind. Aber die Wehen, die sind kein Vergleich mehr. Ich grinse Alex an, der neben meinem Bett steht und sage:“ Ich sag dir das ist gutes Zeug. Schmerzen adé, jetzt kann Zwuckine kommen. So mach ich das mit links. Ok, ich übertreibe wieder. Ich mache es, wie auch immer“

Stunden vergehen und die Wehen werden wieder spürbar. Auch der Muttermund hat sich wieder etwas verkürzt. Das Problem: zu langsam und zu wenig.

Ich flüster Alex ins Ohr: Baby, ich will keine Einleitung. Wirklich. Ich will keine“

Alex schaut mich mitleidig an. „Ich weiß Baby, aber wir müssen schauen, dass es der kleinen Maus gut geht und Ewigkeiten kann das jetzt nicht so weiter gehen. Schau mal auf die Uhr“

Ich schaue auf die Uhr. Es ist 16:00 und wir sind seit fast 13h im Krankenhaus und seit 33 Stunden wach.

Die Hebamme telefoniert mit meiner Ärztin.

Ich schaue Alex an, drücke seine Hand, sage nochmal: Baby ich will keine Einleitung.“

5 Minuten später kommt die Hebamme mit einem Präparat herein.

Mir wird schlecht.

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4 Gedanken zu “ZWUCKINES GEBURTSBERICHT – TEIL 2

  1. Meine liebe Zwuckmama, kannst du bitte ein ganz ganz dickes Buch allein oder mit dem lieben Goldieopa schreiben? So unfassbar schön und zum Heulen und schmunzeln gleichzeitig gescjrienen. Glaube mir, jemand der seelisch am Ende ist, sieht Hoffnung. Du kannst so schön schreiben und es wäre ein Bestseller nach dem anderen. Auch Kinderbücher kann ich mir vorstellen. Der Zwuck und die Zwuckine können so unendlich glücklich sein, so tolle intensivliebende Eltern zu haben. Da könnte sich so manch ein anderer eine Scheibe abschneiden. Ich liebe eure Ruhe und Gelassenheit. 😍😍😍😍😍😍😍😍😍😍😍😍😍🤩🤩🤩🤩😍

  2. Oh man was für Kräfte muss man da aufbringen Wahnsinn.. ich habe heute unsere kleine Tochter entbunden und es war zum Glück in 1h und 17 min überstanden und 5 Stunden später durften wir schon wieder heim…. wenn ich mir vorstelle sowas Stundenlang, so wie du, auszuhalten 😱 ich glaube ich hätte diese Kraft nicht gehabt…. Hut ab vor allen Frauen die eine so lange Geburt durchstehen 💪💪💪

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