Teil 9- DER KINDERWUNSCH UND ZWUCKIS GEBURT

Alex rief sofort seine Schwester Petzi an, um mich abzuholen, denn er selbst war gut 40 Minuten von mir entfernt. Er würde dann vor dem Krankenhaus auf mich warten.

Soweit so gut. Es vergingen die Minuten und von Petzi keine Spur. Das Sofa, auf dem ich mich befand, war zu diesem Zeitpunkt schon etwas bewässert worden und meine Nerven doch nicht mehr ganz so stark wie gewohnt.

Endlich kam Petzi an und wir mussten uns durch den Abendverkehr auf die Tangente quälen.

Es staute sich gewaltig, Petzi und ich nahmen es allerdings mit Humor, was blieb uns auch anderes übrig. Ich war zu diesem Zeitpunkt übrigens noch immer der Überzeugung, dass es sich hierbei um ein kleines Missverständnis handeln würde. Denn von Wehen oder Schmerzen war keine Spur.

Im Wiener Krankenhaus angekommen ging dann alles recht flott.

Denn im Ultraschall waren zwei Dinge ganz klar zu erkennen:

  1. Unser Zwuck lag nach wie vor Beckenendlange (so wie auch schon einige Wochen zuvor)
  2. Meine Fruchtblase war geplatzt.

Meine Blicke wanderten verdutzt zwischen der Frauenärztin und Alex hin und her, bis ich ein schwer verwundertes: „Heisst das jetzt, es geht los? Muss ich denn nun hierbleiben?“ herausbekam.

„Ja, Frau H., es geht jetzt los. In ca. 2 Stunden werden sie ihr Baby in den Armen halten. Wir beginnen gleich mit dem Kaiserschnitt.“

Obwohl der Gedanke eines Kaiserschnitts mir noch immer Bauchweh bescherte, tat es meiner noch immer recht guten Laune nichts ab. Die Situation kam mir einfach so absurd vor, dass ich sie nicht so recht realisieren konnte. Schließlich wollte ich doch soeben mit einer Freundin Essen gehen und war einfach sowas von überhaupt nicht auf das jetzt Kommende vorbereitet.

Im OP angekommen ging es dann zackig los. Nach dem Kreuzstich begannen sie unten herumzuwerken. Weh tat das nicht, sehr ungewohnt und eher ungemütlich war es aber schon.

Die Stimmung im OP war aber ausgesprochen gut. Denn, im Laufe des Eingriffs kamen wir alle darauf, dass wir denselben Musikgeschmack hatten und unterhielten uns über Salsa und Dancehall. Die Ärzte, Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, Hebammen und ich, hatten uns wohl gesucht und gefunden.

Der arme Alex stand verdutzt neben mir und wusste nicht so recht was er tun sollte. Also sagte er: „Baby, jetzt konzentrier dich mal auf das was gerade passiert, du kleiner Kasperl du!“

Er hatte wohl vergessen, dass ich zu dem ganzen Vorgang nichts beitragen konnte J

Das einzige, was ich echt als nervig empfand, war dieses Zittern. Ich konnte einfach nicht aufhören, trotz Wärmestrahler, der auf mich gerichtet war.

Nach einem wilden Geruckel, konnte ich ihn dann endlich hören. Zwucki war da, er schrie und ich wollte ihn sofort drücken und beruhigen.

Doch zunächst wurde ich genäht und Zwucki wurde woanders hingebracht.

Alex sagte noch zu mir: Baby, es ist alles gut, er ist gesund. Er kann nur noch nicht so gut alleine atmen und bekommt jetzt etwas Unterstützung.

Mein Herz blieb kurz stehen.

Im Aufwachraum wartete ich ungeduldig auf Zwucki.

Endlich konnte ich ihn in meinen Armen halten. Er war so süß. So schön. So einzigartig. Ich war sofort so sehr in ihn verliebt und wusste, dass dies die größte Liebe war, die ich jemals erlebt hatte. Er umklammerte meinen Finger mit seinen zarten Fingerchen, als ob er noch nie etwas anderes getan hätte. Mir liefen die Tränen vor Glück hinunter. Es war ab der ersten Sekunde eine Verbundenheit, die nicht in Worte zu fassen ist. Und trotz der Schmerzen, die sich langsam bemerkbar machten, konnte ich nichts weiter tun als vor mich herzustrahlen, den kleinen Mann zu küssen und ihn mit meinen Blicken nicht mehr loszulassen.

Doch leider wurde uns dieser Augenblick wieder genommen. Denn Zwucki schaffte das selbständige atmen nicht und so blieb ich alleine, mit immer stärker werdenden Schmerzen zurück.

4 Gedanken zu “Teil 9- DER KINDERWUNSCH UND ZWUCKIS GEBURT

    • Naja wegen Beckenendlage und weil die Fruchtblase geplatzt ist aber noch keine Wehentätigkeit da war.
      Eine zu lang geplatzte Fruchtblase ohne Wehen kann für Kind und Mutter gefährlich werden.
      Eine Geburt in Beckenendlage möglich aber sehr anstrengend, außerdem kann sich das Kind verhaken und sich und die Mutter verletzten

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